Roman Pilgrim “BLACK SERIES” | Vernissage | Frère LIVE

Der Gelsenkirchener Künstler Roman Pilgrim präsentiert in seinem Atelier und Showroom auf der Ückendorfer Bergmannstraße erstmals seine neue Serie abstrakter Acrylwerke. Am 9. Oktober stellt er in einer Vernissage seine „BLACK SERIES“ vor, wobei ihn der Bochumer Singer / Songwriter Frère musikalisch unterstützen wird.
„In jedem von uns steckt eine dunkle Seite – erst dadurch kommen die Guten zur Geltung.“ Roman Pilgrim übertrug diese Erkenntnis in den letzten Monaten auf sein künstlerisches Schaffen. Das Ergebnis ist seine neue Reihe abstrakter Acrylwerke – die „BLACK SERIES.“

Die Grundlage der farbintensiven Werke bildet einheitlich die Farbe schwarz, die den meist bunten Farbauftrag noch kräftiger wirken lässt. Neben diesen neuen Werken zeigt Pilgrim auch zum ersten Mal seine „Action Paintings“, die er im Juni 2015 im Rahmen der „ExtraSchicht – Die Nacht der Industriekultur“ während der Show der Insane Urban Cowboys im Gelsenkirchener Amphitheater live auf der Bühne kreierte.
Als musikalische Unterstützung und weiteres Highlight des Abends hat sich der Singer / Songwriter Frère aus Bochum angekündigt, der für die Besucherinnen und Besucher ein exklusives und kostenloses Live-Akustikset spielen wird.

▶ Freitag, 09. Oktober 2015 | 19 Uhr | Bergmannstr. 32 | 45886 Gelsenkirchen
▶ Die Ausstellung der „BLACK SERIES“ ist anschließend bis Ende November, jeweils samstags von 14 bis 17 Uhr, zu sehen.

Diskussion zur Entwicklung Ückendorfs

Am 3. August lud das Ückendorfer Künstler- und Kreativennetzwerk Insane Urban Cowboys interessierte Bürger und Presse zum Gespräch mit dem Gelsenkirchener SPD-Vorstandsmitglied Taner Ünalgan ein. In der „Kutschenwerkstatt“ auf der Bochumer Straße wurde angeregt über die Entwicklung des Stadtteils debattiert.

Bei der lebendigen Diskussion in der „Kutsche“, einem der Orte, die sich in Ückendorf positiv zum Veranstaltungsort für Kunst und Subkultur entwickelt haben, kamen diverse Themen auf den Tisch. Unter anderem ging es um das Projekt „Kreativ.Quartier Ückendorf“, die städtebaulichen Maßnahmen zur Revitalisierung der Bochumer Straße oder die Erfahrungen der Akteure bei der Realisation von Projekten und ihrer Arbeit in der Standortentwicklung.

Zur Diskussion hatten die Insane Urban Cowboys (IUC), ein Verbund aus künstlerisch und kreativwirtschaftlich tätigen Akteuren, den SPD-Politiker Taner Ünalgan eingeladen. Das jüngste Vorstandsmitglied des SPD-Unterbezirks Gelsenkirchen lobt die bisherige Initiative der IUC und zeigte sich mit konkreten Fragen nach Erfahrungen und Wünschen interessiert an der Arbeit und den Projekten der IUC sowie der Entwicklung Ückendorfs, speziell des Quartiers rund um die Bochumer Straße.

So berichteten die Gesprächsteilnehmer, dass sie zwar stets konstruktiv mit verschiedenen Stellen in der Gelsenkirchener Kommunalpolitik und Stadtverwaltung zusammenarbeiten, sich aber weniger Bürokratie wünschen würden. Planungsrechtliche Ausweisungen für das Stadtquartier ließen bestimmte kreativwirtschaftliche Nutzungen nicht zu. Es wäre eine politische Aufgabe dies zu ändern.

Ebenso wurden die neuen städtebaulichen Pläne für einige Immobilien der Bochumer Straße hinterfragt. Diese verlaufen, nach Meinung der IUC, teilweise konträr zu den Bemühungen der Stadt um das Kreativ.Quartier. Es entstünde oft der Eindruck, dass die verschiedenen Referate der Stadt unterschiedliche Schwerpunkte für Ückendorf verfolgen und so kein roter Faden vorhanden sei. Schließlich kosten einige Maßnahmen Gelder, die nicht unbedingt dafür ausgegeben werden müssten. „Wir müssen die Freiräume, die hier vorhanden sind, auch als solche erschließen und für interessierte Kreative schneller nutzbar machen“, sagt der Ückendorfer Maler und IUC-Mitglied Roman Pilgrim. „Dazu sind in erster Linie Gespräche mit den Eigentümern, etwas Muskelkraft, Kreativität und vor allem weniger bürokratische Hürden notwendig.”

Das beste Beispiel dafür sei das Atelier des jungen Modelabels URB Clothing im ehemaligen Leerstand der alten Apotheke, Bochumer Straße 74. Die Pläne für das Haus standen auf Abriss, jetzt erzielt die Stadt als Eigentümer sogar wieder Mieteinnahmen damit. „Künstler und Kreative akzeptieren viele der Immobilien so, wie sie jetzt sind. Auch wenn diese aus bürgerlicher Sicht heruntergekommen scheinen“, ergänzt IUC Roman Milenski. „Geringe Mieten sind den jungen Unternehmern wichtig, keine teuren Umbauten.“

Taner Ünalgan konnte viel Verständnis für die Kritik aufbringen, versuchte aber auch die Perspektive der Kommunalpolitik zu erläutern. Er bot zum Abschluss des knapp 90 minütigen Gesprächs an, weitere runde Tische mit Politik und Verwaltung zu vermitteln. Zumindest die Diskussionskultur in Ückendorf und Gelsenkirchen scheint vorerst wieder revitalisiert zu werden.

Anmerkung
Auch die WAZ Gelsenkirchen und der Gelsenkirchen Blog Gelsenclan.de haben über das Treffen berichtet. Beim Artikel der WAZ gab es aus Sicht der IUC Akteure einige Unklarheiten und Fehler in Bezug auf die verwendeten Zitate. Die entsprechende Gegendarstellung ist hier zu lesen.

Ensemble Ruhr zu Gast in Ückendorf

Das Ensemble Ruhr entdeckt das Ruhrgebiet auf seine Weise

In seiner Komposition „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz“ stellt Joseph Haydn den Leidensweg Jesus Christus und dessen letzte Worte auf diesem Weg musikalisch dar.

Mit dem Berliner Fotografen Jan Pauls und dem Journalisten Tom Daun (u.a. WDR3 und Deutschlandfunk) besuchte das Ensemble sieben Orte im Ruhrgebiet, an denen Industrie gescheitert ist, im besten Fall der Strukturwandel vollzogen wurde und etwas Neues entstehen konnte und gab dort ein Kurzkonzert. Dazu gehören populäre Erfolgsgeschichten, wie z.B. das Unesco-Welterbe Zollverein in Essen und das Lichtkunstzentrum Unna, aber auch die unbekannteren Orte, wie der Leitbunker der Krupp’schen Scheinfabrik und die Misserfolge, wie ein nie in Betrieb genommener U-Bahnhof oder die kurz vor der Schliessung stehende Zeche Auguste Victoria in Marl, aber auch die Bochumer Straße in Gelsenkirchen Ückendorf:

Station 3: “Mich dürstet” in der Heilig Kreuz Kirche in Gelsenkirchen Ückendorf

Die “Bochumer Strasse” in GE-Ückendorf war einst Vorzeigestrasse, als der Stadtteil Heimat des größten Kohlebergbauunternehmens Europas “Gelsenkirchener Berkwers AG” war. Heute bröckeln die Fassaden der Prachtbauten.„Mit ein bisschen Fantasie erinnert die Bochumer Straße in Ückendorf an eine verlassene Wildweststadt“, schreibt „die Welt“ im September 2014, „Zeit online“ spricht von einer „Geisterstraße“. Doch in den Hinterhöfen tut sich etwas: die Leerstände und niedrige Mieten bieten ein ideales Pflaster für Künstler. Es haben sich Netzwerke wie die Insane Urban Cowboys gebildet, im Stadtteil findet man heute die höchste Galeriedichte des Ruhrgebietes. Am 15. März um 10 Uhr erklang Haydns Musik in der außer Dienst gestellten Heilig Kreuz Kirche.

Anschliessend bestand die Möglichkeit geführt von Roman Pilgrim,  die ehemalige Kutschenwerkstatt und das „Exodus“, ehemaliges Stadttheater zu besichtigen.

Als Kammerorchester für das Ruhrgebiet hat das Ensemble Ruhr seinen regionalen Bezug schon im Namen aufgegriffen. Es sieht sich als Ensemble für die Region und die Menschen vor Ort. Mit der Dokumentationsreise durch das Ruhrgebiet möchte es seine Verbundenheit mit dieser spannenden und sich verändernden Region zeigen.

Die Reise wurde vom Fotografen in Bild und vom Journalisten in Ton dokumentiert, wobei der Fokus auf den Orten selbst, den Stimmungen und den Menschen, die mit den Orten verbunden sind, wie z.B. durch O-Töne eines ehemaligen Zechenarbeiters, liegen wird.

Das abschließende Konzert bot Haydns „Die sieben letzten Worte“ mit der Fotoreportage, den O-Tönen, Interviews und Geräuschen der „Sieben letzten Orte“ des Ruhrgebietes.

Einen Beitrag über das ganze Projekt kann man sich auf der Seite des WDR anhören.

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Text: Veranstaltungstext Ensemble Ruhr, Fotos: Ferhat Tuncel, Volker Bruckmann

Roman Pilgrim präsentiert ein neues “Rahmenprogramm” (WAZ, 10.01.15)

Gelsenkirchen. Eigentlich arbeitet Roman Pilgrim eher großformatig. Für seine neue Austellung im Gelsenkirchener „Cafe Willkür“ macht er eine Ausnahme.

Großformatige Leinwände mit bunten Farbflächen und interessanten Oberflächenstrukturen sind das Markenzeichen des Ückendorfer Künstlers Roman Pilgrim. In diesem Monat präsentiert er allerdings Werke, die aus dem Rahmen fallen – eben weil sie genau das nicht tun.

Klingt verwirrend? Nun, Roman Pilgrim hat seine aktuelle Ausstellung im Café Willkür an der Bergmannstraße (über einen Nebeneingang zu erreichen!) „Rahmenprogramm“ genannt.

Eigens ins Cafe ausgelagert, damit die Arbeiten nicht untergehen

Hier präsentiert der Ückendorfer bis zum 31. Januar Werke, die im Laufe der vergangenen Jahre parallel zu seinen Acrylgemälden und Lichtobjekten entstanden sind. Und diese sind eben alle gerahmt, im Gegensatz zu den Leinwandbildern spiegelt ihre Oberfläche und lässt schon dadurch ganz andere Lichtreflektionen zu. „Papierbilder wie diese entstehen bei mir oft einfach so zwischendurch“, erzählt Autodidakt Roman Pilgrim, der damit auch verschiedene Stile ausprobiert. „Damit sie aber in meinem Atelier zwischen den anderen Arbeiten nicht untergehen, stelle ich sie hier auf der anderen Straßenseite gesondert aus.“

Jedes Bild wird von einer anderen Farbe dominiert. „Farbgewalt“ heißt ein Grünes, das wie ein Urwald wirkt. Im Bild „Kreislauf“ hat Pilgrim in pastellfarbene Acrylfarbschichten Kreise eingeritzt. Tiefgründig.

Ein Artikel von Anne Bolsmann, erschienen in “WAZ” am 10.01.2015

pilgrim.art “Rahmenprogramm” | Vernissage 04.01.2015

2015 startet in Ückendorf abstrakt

Roman Pilgrim präsentiert neue Ausstellung „Rahmenprogramm“ im Café Willkür.

Ab 15 Uhr findet dann im Café Willkür die Vernissage zur neuen Ausstellung des Insane Urban Cowboys Mitglieds Roman Pilgrim statt.
Der junge Gelsenkirchener Künstler präsentiert in seiner neusten Ausstellung verschiedene Werke, die im Laufe der letzten Jahre entstanden sind.

Neben seiner Acrylmalerei sind auch kleine Pastellzeichnungen zu betrachten, die in Motiv und Größe zunächst untypisch für sein Schaffen sind.

Doch in den abstrakten Gemälden findet man dennoch seine Vorliebe für Struktur, Muster und Farbkombinationen wieder – pilgrim.art in einem etwas anderen Format
und ein „Rahmenprogramm“, das sich lohnt!

Café Willkür
Bergmannstr. 35
45886 Gelsenkirchen

Ausstellungszeitraum: 04.01.-31.01.2015 
Weitere Werke des Künstlers finden Sie im Atelier
Eurasia & pilgrim.art auf der Bergmannstr. 32. (jeden SA 14-17 Uhr oder auf Anfrage)

Weitere Infos unter:
www.pilgrim-art.de | www.cafewillkür.de

Flyer zur Ausstellung "Rahmenprogramm" von Roman Pilgrim

Flyer zur Ausstellung “Rahmenprogramm” von Roman Pilgrim – pilgrim.art

IUC Fotoausstellung “NEU!” bei “Licht an 2014″

Die Insane Urban Cowboys präsentieren drei Fotoserien in einer Ausstellung: NEU! Frank Helferich, Klaus Kasperszak und Volker Bruckmann zeigen ihren Blick auf die Ästhetik vermeintlich wertloser Objekte und (vergangene) Orte in drei völlig unterschiedlichen Fotoserien und auf historischen Fotografien.

Frank M. Helferich zeigt Digitale Fine Art Prints unter dem Titel „Back to the Future“. Zu sehen sind „foto-grafische“ Ergebnisse von Streifzügen über Recyclinghöfe in Hessen und NRW. Die übergeordnete Motivation zur Arbeit an der Serie besteht in dem Wunsch, die Ästhetik des scheinbar „Abgeschriebenen“ zu visualisieren. Durch die Bearbeitung erhalten die Motive einen eigenartigen Reiz.

Die Werkgruppe umfasst insgesamt rund 30 Motive, von denen Helferich sechs Exemplare in der Ausstellung zeigt und rund 25 Motive im Kleinformat separat präsentiert. Die Fotos entstanden in den Jahren 2009 bis heute. Die Serie wird fortgesetzt. Zahlreiche Aufnahmen liefern Verweise auf die Arbeit anderer Künstler wie C.D.F oder A. Gursky.

© Frank Herlferich - Back to the future

© Frank Herlferich – Back to the future

 

Klaus Kasperszak präsentiert Werke aus der Serie “Urban Whisper”. Abgerissene Plakate als städtisches Informationsmedium, senden neue, wenn auch abstrakte, Botschaften und tragen so zum “Grundrauschen” einer Stadt bei.

Serie Urban Wisper

© Klaus Kasperszak – Serie Urban Wisper

Die Serie „Ückendorf MEMORY“ von Volker Bruckmann zeigt das Ückendorf der letzten 100 Jahre.  Und – aus gleicher Perspektive – HEUTE. Erinnerungen werden wach und wir entdecken beim MEMORY-Spielen was gestern trist war und was heute schön ist. Und umgekehrt.

Wo?
Riedfeld | Bochumer Straße 94 | Ückendorf

Wann?
Samstag, 29. November | 15 bis 18 Uhr
Sonntag, 30. November | 12 bis 18 Uhr

Weitere Akteure der IUC bei “Licht an 2014″
Roman Pilgrim – pilgrim.art
Bergmannstr.32 | Ückendorf

Yenai Marcos – CYMR
Halfmannshof | Ückendorf

 

Facebook Veranstaltung

 

 

IUC bei Ruhrtopia am 29.09.14

Veranstaltungstext von Zukunftsprojekt n.a.t.u.r.

Ein illustrer Abend in der ROTUNDE – Alter Katholikentagsbahnhof, der sich um die Themen Engagement und Initiativen, partitipative Stadtentwicklung und künstlerische Interventionen im urbanen Raum und dem Thema Recht auf Stadt widmet.
Es warten auf euch Vertreter von spannenden Initiativen aus dem Ruhrgebiet, während sich The art of Artur Fast mittels einer digitalen Live-Painting Aktion unterdesen ein eigenes Bild von Ruhrtopia und seinen Gestalten macht oder besser malt.

Auf dem Podium erwarten u.a. euch folgende Initiativen:

– Insane Urban Cowboys (vertreten durch Roman Pilgrim und Roman Milenski)
– Kampagne A F F E – Aktion für Freiräume Essen
– Recht auf Stadt Ruhr
– Soziales Zentrum

Im Anschluss an die Podiumsveranstaltung gibt es einen lockeren Ausklang mit Musik und Getränken.

Die Veranstaltung ist kostenlos!

“Wie Gelsenkirchen international mitmischen will” (Welt am Sonntag, 07.08.14)

In Gelsenkirchen-Ückendorf gründeten einst US-Soldaten eine Szene aus Hippies, Rockern und Aussteigern. Dann entwickelte sich der Stadtteil zum Brennpunkt. Nun erwacht dort ein Künstlerviertel.

Mit ein bisschen Fantasie erinnert die Bochumer Straße in Ückendorf an eine verlassene Wildweststadt. Die Straße ist menschenleer, Holzfensterläden hängen schief in den Angeln, hinter den undekorierten Schaufenstern sammelt sich der Staub. Ückendorf gilt, vor allem rund um die Bochumer Straße, als sozialer Brennpunkt. Der Strukturwandel hat von der einstigen Prachtstraße nicht viel übrig gelassen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Ladenlokale stehen leer, die Gründerzeithäuser verfallen. “Das sind Entwicklungsräume, von denen manche Großstadt nur träumen kann”, sagt Siegbert Panteleit dazu. Der selbstständige Standortentwickler hat eine Vision – von einem lebendigen Stadtteil, in dem kreative Köpfe die Hinterhöfe, Schuppen und Gärten für Ausstellungen und Modenschauen nutzen, Investoren den Nachwuchs fördern und sich die 16 vertretenen Kulturen in den Ladenlokalen zu bunten Veranstaltungen aller Art treffen.

Das Quartier mit Underground-Kunst entwickeln

Was in Berlin-Kreuzberg, im Hamburger Schanzenviertel und in anderen deutschen Großstädten funktioniert, das geht auch hier, davon ist Panteleit überzeugt und fragt: “Warum sollte Gelsenkirchen nicht in einen internationalen Wettbewerb eintreten?” Tatsächlich ist Ückendorf ein wenig bunter geworden, seit neue Cowboys in der Stadt sind, die Insane Urban Cowboys. Dieses Künstlernetzwerk will dem Viertel im Gelsenkirchener Süden neues Leben einhauchen: ein bisschen Streetart hier, ein “Museum der geborgten Dinge” da, ein Kunstcafé um die Ecke. Zum Kreativ-Netzwerk gehören inzwischen rund 60 Fotografen, Designer, Theaterleute, Tänzer, Musiker und Maler, die sich der Region verbunden fühlen und mit ihrer Underground-Kunst die Entwicklung des Quartiers aktiv mitgestalten wollen.

“Es ist ein Geben und Nehmen”, sagt Koordinator und Maler Roman Pilgrim zum Konzept. “Wir helfen den Leuten, sich untereinander zu helfen.” So lassen sich die Cowboys nicht nur im Viertel nieder, sondern beteiligen sich dort auch an den mehrtägigen Kunstfestivals “Licht an” und “Tür auf”, unterstützen Projekte von Kunststudenten der Amsterdamer Riedveld Akademie und organisieren Fashionshows gemeinsam mit lokalen und überregionalen Designern.

Der Style schafft es international

Wichtiges Mitglied der kleinen Modeszene und Aushängeschild der Insane Urban Cowboys sind die Schwestern Sara und Joe Urbais, die mit Anfang 20 an der Bochumer Straße den Showroom für ihr junges Modelabel URB Clothing eingerichtet haben. Hinter den Schaufenstern der alten Apotheke hängen ausgefallene Latex-Fummel, die weltweit für Aufsehen in der Modeszene sorgen. So schaffte es der Style aus Gelsenkirchen nicht nur in die Einkaufsmeilen von Tokio und Seoul, sondern auch in die Modemagazine, so in die brasilianische “Glamour” und die britische “Vogue”. Der Verkaufsschlager sind die “Melting Tights”, die Sängerin Haley Williams in einem Musikvideo der US-Band Paramore trug.

“In Berlin wären wir nur eine Nummer in einem vorgefertigten Ästhetik-Empfinden”, erklärt Designerin Sara Urbais die Standortentscheidung für das Ruhrgebiet. “Wir sehen Gelsenkirchen dabei als Stadtteil von Nordrhein-Westfalen. Wir sind hier sehr mobil.” Blogger und Branchenkenner aus aller Welt würden erst einmal fragen, ob Gelsenkirchen in der Nähe von Frankfurt oder Berlin liege. Doch die Infrastruktur, mit Bahn- und S-Bahn-Verbindungen komme man durchs ganze Ruhrgebiet und bis zum Düsseldorfer Flughafen, sei tatsächlich einer der vielen Vorteile in Ückendorf. Daneben sind Freiräume vorhanden, die Mieten niedrig, die Bürger willig. Auch die Stadt greift dem Ortsteil, der seit Herbst 2013 offiziell Kreativquartier ist, tatkräftig unter die Arme.

Der Mieter der alten Kutschenwerkstatt an der Bochumer Straße zum Beispiel stellt seine Hinterhof-Räumlichkeiten im Industrie-Schick für Vernissagen, Fashionshows und Kunstprojekte zur Verfügung. “Die Anwohner fühlen sich animiert, sich zu beteiligen. Die Leute streichen ihre Häuser und machen die Gärten fertig”, freut sich Panteleit über die Aufbruchsstimmung.

Es kommt Bewegung in den Stadtteil

Jeder im Viertel grüßt den Stadtplaner, für viele der leer stehenden Gebäude hat er die Schlüssel, zu fast allen kann er Anekdoten aus längst vergangenen Zeiten erzählen. Der gebürtige Gelsenkirchener setzt auf gewachsene soziale Strukturen – und auf den Punk. “Das ist ein abgefahrenes Viertel und für Menschen von den Rändern der Gesellschaft ein schönes Umfeld, um akzeptiert zu werden.”

Gleichzeitig arbeitet die Stadtplanung mit dem Auslaufen des Stadtteilprogramms Süd-Ost zum Ende des Jahres an einem Nachfolgeprogramm für die Revitalisierung der Bochumer Straße. Bis zum Jahr 2023 soll unter anderem die denkmalgeschützte Backsteinkirche Heilig-Kreuz in ein Veranstaltungszentrum für Kulturereignisse umfunktioniert werden, neue Grünflächen sollen das Quartier freundlicher machen und die Gründerzeithäuser saniert werden.

Bis es einmal so weit ist, vermittelt die Wirtschaftsförderung den jungen Kreativen im Viertel bereits Ladenlokale, hilft bei Formalitäten und vergibt sogar spezielle Mikrokredite für die Umsetzung innovativer Ideen. “Außerdem kommt neben dem Wissenschaftspark noch ein großes Justizzentrum nach Ückendorf. Es kommt also Bewegung in den Stadtteil”, versichert Susanne Becker von der Stadt Gelsenkirchen.

Die Idee der deutschen Fußgängerzone ist out

Trotzdem braucht Ückendorf noch Investoren, um eine echte Wirtschaftszone für Kreativunternehmen zu realisieren. Siegbert Panteleit macht eine ausladende Handbewegung. Er deutet auf den öffentlichen Wohnungsbau aus den 70er- Jahren, auf die alten Gründerzeithäuser mit den Gaslaternen und auf einige Kunstgalerien schräg gegenüber einer etwas heruntergekommenen Bushaltestelle. Auf den Klingelschildern stehen deutsche Namen neben türkischen, polnischen und chinesischen. Das Café Luigi liegt gleich neben der Istanbul Bäckerei und dem China-Imbiss Hong Kong.

Einige Häuser weiter vermietet der griechische Betreiber eines Catering-Unternehmens das in dunklem Rot gehaltene alte Stadttheater für Konzerte, Partys und Schauspielabende. Das “Zwischengrau der Vorstädte” nennt Panteleit diese Ruhrgebietsmischung. “Die Menschen, die hier investieren, müssen die Idee verstehen, nicht nur die Zahlen”, sagt er. “Die Idee der deutschen Fußgängerzone ist out, die Menschen wollen etwas sehen, etwas erleben.” Dass sie das in Ückendorf können, ist sozusagen historisch verbrieft.

Schon in den 60er-Jahren begründeten amerikanische Soldaten hier eine alternative Szene aus Hippies, Rockern und Aussteigern. Heute gibt es noch die Künstlersiedlung Halfmannshof und die Ückendorfer Galeriemeile mit der höchsten Galeriedichte im Ruhrgebiet. “Das Potenzial ist da, man muss es nur in die moderne Zeit retten”, meint Panteleit und träumt von einem Gesundheitszentrum mit einem türkischen Bad und einem Feierabendmarkt, auf dem Heilkräuter aus den lokalen Gärten verkauft werden.

Die neuen Entwicklungen in Ückendorf können am 13. September im Rahmen des Modeformats “.gif”, veranstaltet von URB Clothing und dem Büro für lokale Wirtschaftsentwicklung Gelsenkirchen-Südost, erkundet werden. Dann präsentieren sieben junge Modemacher aus Gelsenkirchen und anderen deutschen Städten von 17 bis 21 Uhr ihre Kreationen in Form einer Kunstausstellung an drei ungewöhnlichen Orten im Kreativquartier: In verborgenen Wohnungen (Bochumer Str. 94), verlassenen Geschäftsräumen (Bochumer Str. 109) und einem ehemaligen Wellnesscenter (Bergmann Str. 11a) werden Installationen, Performances, Entwürfe, Fotografien, und aktuelle Modekollektionen ausgestellt.

Ein Artikel von Mona Contzen, erschienen in “Welt am Sonntag” am 07.08.2014