Diskussion zur Entwicklung Ückendorfs

Am 3. August lud das Ückendorfer Künstler- und Kreativennetzwerk Insane Urban Cowboys interessierte Bürger und Presse zum Gespräch mit dem Gelsenkirchener SPD-Vorstandsmitglied Taner Ünalgan ein. In der „Kutschenwerkstatt“ auf der Bochumer Straße wurde angeregt über die Entwicklung des Stadtteils debattiert.

Bei der lebendigen Diskussion in der „Kutsche“, einem der Orte, die sich in Ückendorf positiv zum Veranstaltungsort für Kunst und Subkultur entwickelt haben, kamen diverse Themen auf den Tisch. Unter anderem ging es um das Projekt „Kreativ.Quartier Ückendorf“, die städtebaulichen Maßnahmen zur Revitalisierung der Bochumer Straße oder die Erfahrungen der Akteure bei der Realisation von Projekten und ihrer Arbeit in der Standortentwicklung.

Zur Diskussion hatten die Insane Urban Cowboys (IUC), ein Verbund aus künstlerisch und kreativwirtschaftlich tätigen Akteuren, den SPD-Politiker Taner Ünalgan eingeladen. Das jüngste Vorstandsmitglied des SPD-Unterbezirks Gelsenkirchen lobt die bisherige Initiative der IUC und zeigte sich mit konkreten Fragen nach Erfahrungen und Wünschen interessiert an der Arbeit und den Projekten der IUC sowie der Entwicklung Ückendorfs, speziell des Quartiers rund um die Bochumer Straße.

So berichteten die Gesprächsteilnehmer, dass sie zwar stets konstruktiv mit verschiedenen Stellen in der Gelsenkirchener Kommunalpolitik und Stadtverwaltung zusammenarbeiten, sich aber weniger Bürokratie wünschen würden. Planungsrechtliche Ausweisungen für das Stadtquartier ließen bestimmte kreativwirtschaftliche Nutzungen nicht zu. Es wäre eine politische Aufgabe dies zu ändern.

Ebenso wurden die neuen städtebaulichen Pläne für einige Immobilien der Bochumer Straße hinterfragt. Diese verlaufen, nach Meinung der IUC, teilweise konträr zu den Bemühungen der Stadt um das Kreativ.Quartier. Es entstünde oft der Eindruck, dass die verschiedenen Referate der Stadt unterschiedliche Schwerpunkte für Ückendorf verfolgen und so kein roter Faden vorhanden sei. Schließlich kosten einige Maßnahmen Gelder, die nicht unbedingt dafür ausgegeben werden müssten. „Wir müssen die Freiräume, die hier vorhanden sind, auch als solche erschließen und für interessierte Kreative schneller nutzbar machen“, sagt der Ückendorfer Maler und IUC-Mitglied Roman Pilgrim. „Dazu sind in erster Linie Gespräche mit den Eigentümern, etwas Muskelkraft, Kreativität und vor allem weniger bürokratische Hürden notwendig.”

Das beste Beispiel dafür sei das Atelier des jungen Modelabels URB Clothing im ehemaligen Leerstand der alten Apotheke, Bochumer Straße 74. Die Pläne für das Haus standen auf Abriss, jetzt erzielt die Stadt als Eigentümer sogar wieder Mieteinnahmen damit. „Künstler und Kreative akzeptieren viele der Immobilien so, wie sie jetzt sind. Auch wenn diese aus bürgerlicher Sicht heruntergekommen scheinen“, ergänzt IUC Roman Milenski. „Geringe Mieten sind den jungen Unternehmern wichtig, keine teuren Umbauten.“

Taner Ünalgan konnte viel Verständnis für die Kritik aufbringen, versuchte aber auch die Perspektive der Kommunalpolitik zu erläutern. Er bot zum Abschluss des knapp 90 minütigen Gesprächs an, weitere runde Tische mit Politik und Verwaltung zu vermitteln. Zumindest die Diskussionskultur in Ückendorf und Gelsenkirchen scheint vorerst wieder revitalisiert zu werden.

Anmerkung
Auch die WAZ Gelsenkirchen und der Gelsenkirchen Blog Gelsenclan.de haben über das Treffen berichtet. Beim Artikel der WAZ gab es aus Sicht der IUC Akteure einige Unklarheiten und Fehler in Bezug auf die verwendeten Zitate. Die entsprechende Gegendarstellung ist hier zu lesen.

Einladung zum Stadtteilgespräch mit Taner Ünalgan in Ückendorf

Wir laden herzlich am Montag, 3. August, um 15 Uhr in die “Kutschenwerkstatt”, Bochumer Straße 130 laden zu einem Stadtteilgespräch mit Taner Ünalgan ein.

An einem der Orte, die sich in den letzten Jahren in Gelsenkirchen-Ückendorf zum Positiven gewandelt haben, möchten Mitglieder des Ückendorfer Künstler- und Kreativennetzwerkes Insane Urban Cowboys und interessierte Bürger mit dem Politiker Taner Ünalgan, Vorstandsmitglied des SPD-Unterbezirks Gelsenkirchen, über die Entwicklung des Stadtteils diskutieren. Zu den Gesprächsthemen zählen das Projekt Kreativ.Quartier, die städtebaulichen Maßnahmen zur Revitalisierung der Bochumer Straße, die wirtschaftliche und soziale Lage Ückendorfs, Politik und Bürokratie sowie mit all diesen Themen verbundene Chancen, Risiken und Wünsche der Akteure im Viertel.

Die Kutschenwerkstatt ist der dafür geeignete Ort, da diese altehrwürdige Immobilie nach Jahren des Leerstands durch die Arbeit verschiedener Menschen zu einem wichtigen Ort für temporäre Kunst- und Kulturprojekte auf der Bochumer Straße entwickelt werden konnte.

Ensemble Ruhr zu Gast in Ückendorf

Das Ensemble Ruhr entdeckt das Ruhrgebiet auf seine Weise

In seiner Komposition „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz“ stellt Joseph Haydn den Leidensweg Jesus Christus und dessen letzte Worte auf diesem Weg musikalisch dar.

Mit dem Berliner Fotografen Jan Pauls und dem Journalisten Tom Daun (u.a. WDR3 und Deutschlandfunk) besuchte das Ensemble sieben Orte im Ruhrgebiet, an denen Industrie gescheitert ist, im besten Fall der Strukturwandel vollzogen wurde und etwas Neues entstehen konnte und gab dort ein Kurzkonzert. Dazu gehören populäre Erfolgsgeschichten, wie z.B. das Unesco-Welterbe Zollverein in Essen und das Lichtkunstzentrum Unna, aber auch die unbekannteren Orte, wie der Leitbunker der Krupp’schen Scheinfabrik und die Misserfolge, wie ein nie in Betrieb genommener U-Bahnhof oder die kurz vor der Schliessung stehende Zeche Auguste Victoria in Marl, aber auch die Bochumer Straße in Gelsenkirchen Ückendorf:

Station 3: “Mich dürstet” in der Heilig Kreuz Kirche in Gelsenkirchen Ückendorf

Die “Bochumer Strasse” in GE-Ückendorf war einst Vorzeigestrasse, als der Stadtteil Heimat des größten Kohlebergbauunternehmens Europas “Gelsenkirchener Berkwers AG” war. Heute bröckeln die Fassaden der Prachtbauten.„Mit ein bisschen Fantasie erinnert die Bochumer Straße in Ückendorf an eine verlassene Wildweststadt“, schreibt „die Welt“ im September 2014, „Zeit online“ spricht von einer „Geisterstraße“. Doch in den Hinterhöfen tut sich etwas: die Leerstände und niedrige Mieten bieten ein ideales Pflaster für Künstler. Es haben sich Netzwerke wie die Insane Urban Cowboys gebildet, im Stadtteil findet man heute die höchste Galeriedichte des Ruhrgebietes. Am 15. März um 10 Uhr erklang Haydns Musik in der außer Dienst gestellten Heilig Kreuz Kirche.

Anschliessend bestand die Möglichkeit geführt von Roman Pilgrim,  die ehemalige Kutschenwerkstatt und das „Exodus“, ehemaliges Stadttheater zu besichtigen.

Als Kammerorchester für das Ruhrgebiet hat das Ensemble Ruhr seinen regionalen Bezug schon im Namen aufgegriffen. Es sieht sich als Ensemble für die Region und die Menschen vor Ort. Mit der Dokumentationsreise durch das Ruhrgebiet möchte es seine Verbundenheit mit dieser spannenden und sich verändernden Region zeigen.

Die Reise wurde vom Fotografen in Bild und vom Journalisten in Ton dokumentiert, wobei der Fokus auf den Orten selbst, den Stimmungen und den Menschen, die mit den Orten verbunden sind, wie z.B. durch O-Töne eines ehemaligen Zechenarbeiters, liegen wird.

Das abschließende Konzert bot Haydns „Die sieben letzten Worte“ mit der Fotoreportage, den O-Tönen, Interviews und Geräuschen der „Sieben letzten Orte“ des Ruhrgebietes.

Einen Beitrag über das ganze Projekt kann man sich auf der Seite des WDR anhören.

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Text: Veranstaltungstext Ensemble Ruhr, Fotos: Ferhat Tuncel, Volker Bruckmann